Reiseanekdoten #2: In Flip Flops durch den Dschungel

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Wie ich Euch ja bereits vor wenigen Wochen berichtet habe, werde ich Euch in unregelmäßigen Abständen lustige, verrückte, seltsame oder aufregende Geschichten von unseren Reisen erzählen. Die Reiseanekdote, die ich heute mit Euch teile, hat sich im August 2013 auf Hawaii ereignet: während unserer Flitterwochen auf Oahu. Wir hatten von einem tollen Wasserfall gelesen, unter dem man schwimmen kann. Wie beschwerlich der Weg zu diesem Wasserfall sein würde, hatten wir nicht erwartet.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

Wir haben es während unserer Zeit auf Hawaii sehr genossen, morgens in den Mietwagen zu steigen, und ohne einen wirklichen Plan loszuziehen. An einem Tag zog es uns zum North Shore – zur Nordküste von Oahu. Auf der Fahrt dorthin suchte ich auf dem Inselplan nach der schönsten Rückroute, und entdeckte dabei, dass der Maunawili Falls Trail – ein Wanderweg zu einem Wasserfall, unter dem man schwimmen kann – praktisch auf dem Weg lag. Wir entschieden uns also, am frühen Nachmittag den Wasserfall zu besuchen. Im Reiseführer stand zwar, dass man je nach Bodenbeschaffenheit eine bis eineinhalb Stunden braucht, und dass es gelegentlich matschig werden kann, aber darüber haben wir nur gelacht. Schließlich waren wir ja jung, sportlich und dynamisch. Diesen kleinen Wanderweg würden wir doch problemlos schaffen. Dachten wir. Hatte ich außerdem schon erwähnt, dass wir an diesem Tag nur Flip Flops dabei hatten?

Der Weg sah zunächst auch relativ freundlich aus, und der Start war ausgeschildert. Was uns etwas wunderte, waren die kaputten, einzelnen Flip Flops, die am Wegesrand lagen. Das hätte uns eine erste Warnung sein sollen. Nach wenigen Minuten wunderten wir uns, dass weit und breit kein anderer Mensch zu sehen war. Das hätte uns eine weitere Warnung sein sollen. Einige hundert Meter weiter wurde dann der Boden etwas weich, und wir dachten uns, dass es das wäre, was die Autoren des Reiseführers mit „matschig“ gemeint hatten. Um eines vorweg zu nehmen: Nein, das war definitiv nicht, was sie gemeint hatten.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

Wir gingen weiter, und lachten auch noch, als wir über einige umgestürzte Bäume und riesige Wurzeln klettern mussten. Langsam bekam ich Zweifel, ob unsere Flip Flops tatsächlich das richtige Schuhwerk waren. Plötzlich kamen wir an eine Stelle und waren uns sicher, dass wir falsch gegangen waren. Allerdings war vorher nichts, wo man hätte falsch gehen können. Links von uns lag ein ziemlich steiniger Bach, vor und rechts von uns hohes Gras. Ich ging ein Stückchen durch das Gras und sah, dass es dort nicht weiter ging. Uns schwante langsam, dass wir wohl den Bach durchqueren mussten. Übrigens sollte ich nicht unerwähnt lassen, dass wir unser Hab und Gut in einer Strandtasche dabei hatten. Also versuchten wir, so gut es eben mit Flip Flops und einer Strandtasche ging (die zum Glück mein Mann trug), ans andere Ufer zu kommen. Da die Steine extrem glitschig waren, war das kein Kinderspiel, aber wir waren stolz, als wir endlich auf der anderen Seite standen.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

Leider ging es jetzt erst so richtig los: knöchelhoher Matsch, riesige Wurzeln, immer den Abgrund auf einer Seite vor Augen. Von einem Weg war schon lange nichts mehr zu erkennen. Die eineinhalb Stunden waren schon lange vorbei, wir waren bereits fix und fertig, und wir waren uns sicher, dass wir jeden Moment da sein müssten. Plötzlich kamen wir an ein Plateau mit atemberaubender Aussicht. Dort kam uns ein nettes, kanadisches Paar entgegen. Sie versuchten, uns Mut zuzusprechen, und versicherten uns, dass zwar der schwierigste Teil jetzt noch kommen würde, dass es aber nur noch ungefähr 45 Minuten wären, und dass der Wasserfall uns schwer entschädigen würde.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

Kurzzeitig zog ich es in Erwägung, in Tränen auszubrechen. Ich wusste nicht, was schockierender war: Dass es noch ungefähr 45 Minuten dauern würde, oder dass der schwierigste Teil erst noch kommen würde? Aber jetzt hatten wir keine Wahl mehr: Wir gingen weiter. Die nächsten 45 Minuten bestanden aus Klettern, Waten durch Schlamm, und dem Erklimmen von Felsstücken. Alles immer bergauf. Und dann war er da: der Wasserfall. Ja, es hatte sich wirklich gelohnt.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

Zwar hätte ich nicht gedacht, dass das überhaupt möglich wäre, aber der Rückweg war dann tatsächlich noch beschwerlicher als der Hinweg. Ihr kennt das Gefühl, wenn der Riemen der Flipflops in die Zehenzwischenräume schneidet, oder? Jetzt stellt Euch das vor, während Ihr in rutschigem Matsch und auf glitschigen Steinen steil bergab lauft. Zu allem Überfluss hatten wir nicht genügend Wasser dabei. Das heißt, doch, wir hatten genug Wasser. Eine volle Flasche fanden wir versteckt zwischen Handtüchern abends beim Auspacken im Hotelzimmer. Irgendwie schafften wir es jedenfalls hinunter. Und mit einem Mal ergaben auch die vielen kaputten Flip Flops, die den Weg säumten, einen Sinn.

Voller Stolz können wir sagen: Unsere Flip Flops haben überlebt.  Es gibt sie sogar immer noch. Aber würden wir nochmal mit ihnen zu diesem Wasserfall wandern? Nein.Lustige Reiseanekdoten - Reiseblog

1 Kommentar

  1. Tabitha

    Respekt für diese besondere Wanderung 😉 Die Wege auf Hawaii können durch den Regen oft ja auch ziemlich rutschig sein.

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