Los Angeles: die überschätzte Stadt

Los Angeles

Los Angeles Carney'sWenn man mich nach dem überschätztesten Reiseziel fragen würde, käme meine Antwort wie aus der Pistole geschossen: Los Angeles. Versteht mich nicht falsch. Ich mag Los Angeles. Also irgendwie. Aber die Stadt ist gar nicht so, wie ich sie mir ursprünglich mal vorgestellt hätte.

Gut, die meisten Reiseziele sind ganz anders als man sie sich in der Fantasie ausmalt. Las Vegas zum Beispiel war viel größer und weitläufiger, als ich es mir vorgestellt hatte. In New York lagen alle Sehenswürdigkeiten in Manhattan viel näher beieinander als erwartet. Kuala Lumpur war noch viel heißer als in meiner Vorstellung. Und in Singapur hätte ich mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass ich mich fühlen würde wie in Amerika.

Millions of Milkshakes Los AngelesAber dass eine Stadt, die in der allgemeinen Vorstellung so glamourös, schillernd und sagenumwogen ist, in Wahrheit eher sehr grau, leer und unspektakulär ist, war dann doch eine Überraschung. Dabei war ich vorgewarnt. Viele Freunde, die schon vorher in Los Angeles waren, hatten mich bereits darauf vorbereitet, dass die Stadt nicht so sehenswert und spannend ist wie erwartet. Natürlich sind das alles nur persönliche Meinungen, und ich kenne andererseits auch ein paar wenige Menschen, die total vernarrt in die Stadt sind. Aber ich bin dementsprechend mit sehr niedrigen Erwartungen nach Los Angeles geflogen (es handelte sich sowieso nur um einen Zwischenstopp von wenigen Tagen), wollte die Stadt aber trotzdem gerne kennenlernen. Nach einigen Stunden in L.A. war für mich schnell klar: Meine Freunde hatten recht.

Wir haben im Hilton Garden Inn Hollywood Hills übernachtet. Das Hotel lag fast direkt am Walk of Fame, Chinese Theatre und Dolby Theatre (früher Kodak Theatre). Als wir in New York waren, hatten wir ein Hotel, das in etwa genauso weit vom Times Square entfernt war. Wer jetzt denkt, das eine wäre mit dem anderen auch nur ansatzweise Los Angeles Dolby Theatrevergleichbar, der irrt sich. In New York standen wir nach wenigen Metern zu Fuß inmitten von Leuchtreklame, buntem Treiben und Menschenmassen. In L.A. erwartete uns nach wenigen Metern der Hollywood Boulevard. Hierbei handelte es sich um eine Straße. Eine ziemlich einfache, unspektakuläre Straße. Ok, im Boden waren die Sterne eingelassen, und zwischen den Gebäuden, welche die Straße säumten, versteckten sich das Dolby Theatre und das Chinese Theatre mit den Hand- und Fußabdrücken einiger Künstler. Aber ansonsten sah der berühmte Hollywood Boulevard aus wie eine normale, befahrene Einkaufsstraße, wie man sie in den meisten Städten findet. Am spektakulärsten war für mich der gelegentliche Blick auf den Hollywood-Schriftzug, den man an Kreuzungen und Häuserfluchten erhaschen konnte.

Los Angeles Hollywood Sign Zeichen SchriftzugLos Angeles Hollywood Chinese TheatreLos Angeles Rodeo Drive Beverly HillsDie Gebäude und Straßen im restlichen Hollywood waren – ja – Gebäude und Straßen eben. Beverly Hills war sehr hübsch gepflegt und man konnte dort den Wohlstand sehen und spüren. Beim Spazierengehen entdeckten wir viele schöne Häuser mit teuren Autos in den Auffahrten, aber keine Menschen. Sehenswürdigkeiten hat Los Angeles sonst ja nicht wirklich – man hofft einfach irgendwie, den besonderen Flair zu spüren. Zumindest ich habe das gehofft. Irgendeinen Grund muss es doch haben, dass alle Reichen und Berühmten in dieser Stadt leben. Übrigens erstreckt sich L.A. über eine riesige Fläche. Das ist auch der Grund, warum hier jeder immer und ausschließlich mit dem Auto unterwegs ist.

Die Sache, die für mich in L.A. am verstörendsten war, waren nicht die weiten Strecken und die Tatsache, dass die Stadt Los Angelesirgendwie kein Gesicht hatte. Es waren die fehlenden Menschen. Ernsthaft, ich habe mich gefühlt, als hätte ich mich in eine Geisterstadt verirrt. Hier war einfach kein Mensch. Die Straßen waren komplett leer. Mit viel Fantasie konnte man durch die dunklen Scheiben der vorbeifahrenden Autos mal ein Gesicht erahnen. Dabei sind es doch die Menschen, die eine Stadt lebendig machen und ihr Charakter verleihen. Für mich gilt folgender Grundsatz: Strände sollten schön einsam sein, Städte laut und belebt.

Los Angeles Santa Monica PierJa, die Stadtteile direkt am Wasser sind schön. Santa Monica und Venice Beach sind nett zum Bummeln und endlich mal sieht man viele andere Menschen. Wahrscheinlich sollte man sich, wenn man in Los Angeles übernachtet, hier ein Hotel nehmen. Aber so richtig kann mich das trotzdem nicht überzeugen. Ist es nicht fast überall ganz schön, wo Meer ist? Tut mir leid, L.A., Dein Strand und Deine Promenade sind wirklich nett. Aber nein, der Rest begeistert mich Los Angeles Santa Monicanicht. Die Melrose Avenue? Eine unspektakuläre, menschenleere Straße mit ein paar Restaurants. Das berühmte Restaurant The Ivy? Hmm, sah aus wie ein normales, mittelmäßig einladendes Lokal in dem ein paar gelangweilte Leute auf ihre Smartphones starrten. Der Rodeo Drive? Eine sehr schöne, luxuriöse Einkaufsstraße, aber auch hier war weit und breit kein Mensch zu sehen. Ahh, doch, hier, ganz vorne am anderen Ende – ein anderes Touristenpärchen.

Los Angeles Melrose AvenueIn dieser Hinsicht war Los Angeles für mich wirklich gespenstisch. Die Ruhe in der Stadt war beunruhigend. Es handelte sich hier nicht um eine positive Ruhe wie die Central-Park-Ruhe, die man inmitten des New Yorker Großstadtdschungels erleben kann. Es war eine zu ruhige Ruhe. Eine Ruhe, die in einer so großen Stadt einfach unheimlich wirkt.

Ich liebe es, neue Städte zu Fuß zu erkunden. Man lernt eine Stadt so auf eine ganz andere und viel persönlichere Weise kennen. Das empfehle ich Euch in L.A. aber nur bedingt. Denn Ihr werdet erstens die absolut einzigen Fußgänger sein, und zweitens aus diesem Grund von den Insassen vorbeifahrender Autos angeguckt werden, als wäre Euch nicht mehr zu helfen. Ich persönlich habe mich so alleine auf der Straße auch immer etwas unwohl und unsicher gefühlt.

Los Angeles Beverly Hills FeuerwehrAn manchen Orten hatte ich das Gefühl, es ganz leicht zu spüren: das gewisse Etwas. Diesen besonderen Grund, der die Angelenos dazu bewegt, ihr L.A. zu Los Angeles Beverly Hills Rodeo Drivelieben – oder zumindest dazu, Unsummen für ein Haus hier zu bezahlen. Mir ist auch klar, dass man zwei Städte nicht miteinander vergleichen kann, und dass deshalb natürlich Los Angeles nicht an einer Stadt wie New York gemessen werden kann. Das ist, als versucht man, die Qualität eines Nudelauflaufs in Zentimetern wiederzugeben. Aber irgendwie zieht man trotzdem Vergleiche zu anderen – in diesem Fall amerikanischen – Städten, die man schon besucht hat.

New York hat den Inbegriff des gewissen Etwas, San Francisco hat es (ebenso wie das Beverly Hills Brownie Company Los Angelesgesamte Silicon Valley), Las Vegas hat es, Honolulu hat es sowieso – und Los Angeles hat es irgendwie nicht. Zumindest nicht für mich. Vielleicht muss ich aber auch einfach nochmal wiederkommen – dann mit Unterkunft am Wasser und einigen Tagen mehr Zeit. Dann würde ich auch zum Hollywood-Sign wandern – denn trotz des mäßigen Gesamteindrucks von L.A. habe ich beim Anblick des Schriftzugs immer und immer wieder Gänsehaut bekommen.

Los Angeles Venice Beach Chili Cheese FriesEs gab übrigens eine Sache, die ich an L.A. abgöttisch geliebt habe: die Chili Cheese Fries. Da mein letzter USA-Aufenthalt bei dieser Reise schon ein paar Monate zurück lag und man in Deutschland ja leider keine vernünftigen Chili Cheese Fries bekommt (wenn hier irgendjemand von Euch Empfehlungen hat, bitte her damit), war mein Hunger darauf bei der Ankunft in L.A. kaum noch zu bändigen. Dort habe ich sie dann jeden Tag gegessen und bin bei der Weiterreise nach Hawaii auf Sweet Potato Fries umgestiegen. Ich bereue nichts und würde es immer wieder tun.

Los Angeles Walk of Fame HollywoodLos Angeles Beverly Hills Rodeo Drive

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